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Onboarding

Zwei Zuständige sind einer zu viel: wer die Einarbeitung wirklich verantwortet

25. August 20265 Min. Lesezeit

Auf die Frage, wer die Einarbeitung verantwortet, kommt in fast jedem Haus dieselbe Antwort: HR und die Führungskraft. Das klingt nach sinnvoll geteilter Arbeit, ist aber schon der Befund. Zwei Zuständige sind einer zu viel, solange keiner von beiden eine Frist hat.

Der Verlauf ist dann immer derselbe. Beide gehen davon aus, dass die andere Seite den nächsten Schritt macht. Niemand ist nachlässig, niemand entscheidet sich gegen die neue Kollegin, und trotzdem passiert in Woche zwei nichts.

Warum sich die Doppelzuständigkeit so hartnäckig hält

Sie ist nicht falsch gemeint, sie ist bequem. Solange die Verantwortung auf zwei Schultern liegt, muss niemand entscheiden, wer bei Terminnot zurücksteckt. Und geht etwas schief, lag die Zuständigkeit rückblickend immer bei der jeweils anderen Seite.

Dazu kommt ein wahrer Kern: Beide verantworten tatsächlich etwas. Nur eben nicht dasselbe. Der Fehler ist nicht die Beteiligung von zwei Parteien, sondern dass niemand aufgeschrieben hat, wo die eine aufhört und die andere anfängt.

Die Aufteilung, die trägt

HR verantwortet den Rahmen

Welche Schritte es gibt, in welcher Reihenfolge sie stehen, welche davon Pflicht sind, bis wann sie erledigt sein müssen und wie Überfälliges auffällt. HR verantwortet, dass der Pfad existiert und dass er für jede Rolle derselbe ist. HR verantwortet nicht, ob die neue Kollegin ihre Arbeit inhaltlich versteht.

Die Führungskraft verantwortet die Rolle

Was diese Person können muss, woran sie nach neunzig Tagen gemessen wird, wer ihr wobei hilft, welche Entscheidungen sie selbst treffen darf. Das kann HR nicht übernehmen, weil es fachlich ist und sich je Team unterscheidet. Wird es nicht benannt, arbeitet die neue Person nach ihrer eigenen Vermutung, und die deckt sich in etwa der Hälfte der Fälle mit der Erwartung.

Jeder einzelne Schritt trägt zusätzlich einen Namen

Nicht „das Team", nicht „die IT", sondern eine Person mit Vor- und Nachnamen und ein Datum. Eine Zuständigkeit ohne Namen ist eine Absichtserklärung, eine ohne Datum ist ein Vorsatz. Beides fällt erst auf, wenn es zu spät ist, denn niemand meldet, dass er etwas nicht getan hat, für das er sich nie zuständig gefühlt hat.

Die vier Termine, die eine Führungskraft schuldet

Konkret wird die Aufteilung erst, wenn sie im Kalender steht. Vier Termine in den ersten neunzig Tagen reichen aus:

  1. Tag 1, dreißig Minuten. Was diese Rolle im Haus leistet und woran in neunzig Tagen gemessen wird. Nicht die Hausführung, die macht jemand anderes.
  2. Ende Woche 2, dreißig Minuten. Was ist bisher unklar geblieben? Die Frage funktioniert nur in diesem Fenster, solange Nichtwissen noch selbstverständlich ist.
  3. Tag 30, eine Stunde. Erste eigene Arbeitsergebnisse, Rückmeldung in beide Richtungen, Korrektur der Erwartung, falls die Rolle sich als etwas anderes entpuppt hat.
  4. Tag 90, eine Stunde. Steht die Rolle, und was kommt danach? Ohne diesen Termin endet die Einarbeitung nicht, sie hört einfach auf.

Vier Termine, zusammen drei Stunden. Wer das für viel hält, vergleicht mit der falschen Alternative: Der ungeplante Aufwand für Nachsteuern, Wiederholen und Klarstellen liegt in den ersten drei Monaten regelmäßig darüber, nur verteilt er sich auf Zurufe zwischen Tür und Angel und taucht deshalb in keinem Kalender auf.

Woran ihr merkt, dass die Zuständigkeit nur behauptet ist

Drei Prüfungen, die zusammen zehn Minuten dauern:

  • Fragt HR und die Führungskraft getrennt, wer für einen bestimmten Schritt verantwortlich ist. Kommen zwei verschiedene Antworten, ist der Schritt unbesetzt, auch wenn er im Plan steht.
  • Nehmt den Einarbeitungsplan und sucht die Spalte mit den Datumsangaben. Gibt es sie nicht, gibt es keine Fristen, sondern eine Wunschliste.
  • Nehmt einen Schritt, der zuletzt überfällig war. Wer hat es bemerkt, und wodurch? Wenn die Antwort „irgendwann ist es jemandem aufgefallen" lautet, fehlt nicht Disziplin, sondern Sichtbarkeit.

Verantwortlichkeit ist eine der vier Dimensionen, an denen sich Einarbeitung entscheidet, neben Struktur, Sichtbarkeit und Anschluss. Entscheidend ist nicht der Durchschnitt über alle vier, sondern die schwächste: Ein guter Pfad ohne Verantwortliche wird nicht gelebt. Wo ihr steht, beantwortet der Reifegrad-Selbstcheck in drei Minuten.

Der häufigste Einwand: dafür hat die Führungskraft keine Zeit

Er kommt zuverlässig, und er ist ernst gemeint. Nur vergleicht er die vier Termine mit null statt mit dem, was heute tatsächlich anfällt. Wer zusammenzählt, wie oft in den ersten Wochen zwischen Tür und Angel nachgesteuert, wiederholt und klargestellt wird, landet fast immer über drei Stunden. Der Unterschied ist nicht der Aufwand, sondern dass der eine geplant ist und der andere nicht.

Wo tatsächlich keine Zeit ist, hilft eine ehrliche Verschiebung mehr als ein guter Vorsatz: Der Termin an Tag 30 lässt sich delegieren, wenn eine erfahrene Person aus dem Team ihn übernimmt und die Führungskraft die Rückmeldung erhält. Die Termine an Tag 1 und Tag 90 lassen sich nicht delegieren, weil in beiden die Erwartung an die Rolle verhandelt wird. Wer sie abgibt, gibt die Rolle ab.

Checkliste für die nächste Einstellung

  1. Steht schriftlich, was HR verantwortet und was die Führungskraft?
  2. Trägt jeder Schritt eine namentliche Person, nicht eine Abteilung?
  3. Hat jeder Schritt ein Datum, nicht nur eine Reihenfolge?
  4. Stehen die vier Termine der Führungskraft im Kalender, bevor der erste Arbeitstag beginnt?
  5. Weiß die neue Person, an wen sie sich mit welcher Art von Frage wendet?
  6. Fällt ein überfälliger Schritt auf, ohne dass jemand nachschauen muss?
  7. Gibt es eine Vertretung für die Schritte, die an einer einzigen Person hängen?
  8. Ist am Tag 90 verabredet, was danach kommt?

Fazit

„HR und die Führungskraft" ist keine Antwort auf die Frage nach der Zuständigkeit, sondern eine höfliche Umschreibung dafür, dass sie nicht geklärt ist. Die Lösung ist kein neues Werkzeug, sondern eine Trennlinie und ein Kalendereintrag: HR verantwortet den Rahmen, die Führungskraft die Rolle, und jeder einzelne Schritt trägt einen Namen und ein Datum. Das ist derselbe Grundsatz, der auch beim internen Rollenwechsel greift, nur dass ihn dort noch seltener jemand anwendet.

Häufige Fragen

Wer ist für das Onboarding verantwortlich, HR oder die Führungskraft?
Beide, aber für Unterschiedliches. HR verantwortet den Rahmen: welche Schritte es gibt, in welcher Reihenfolge, mit welcher Frist. Die Führungskraft verantwortet die Rolle: was die Person können muss, woran sie gemessen wird, wer ihr hilft. Zusätzlich trägt jeder einzelne Schritt eine namentlich verantwortliche Person.
Warum reicht es nicht, das Onboarding gemeinsam zu verantworten?
Weil bei geteilter Verantwortung ohne Trennlinie beide davon ausgehen, dass die andere Seite den nächsten Schritt macht. Bei Terminnot steckt niemand bewusst zurück, es passiert schlicht nichts, und auffällig wird das erst, wenn sich der Rückstand nicht mehr aufholen lässt.
Wie viele Gespräche schuldet eine Führungskraft in der Einarbeitung?
Vier in den ersten neunzig Tagen reichen: an Tag 1 zur Rolle und den Erwartungen, am Ende von Woche 2 zu offenen Fragen, an Tag 30 zu ersten Ergebnissen und an Tag 90 zum Abschluss und zum nächsten Schritt. Zusammen sind das rund drei Stunden.
Woran erkennt man, dass die Zuständigkeit nur auf dem Papier steht?
Wenn HR und Führungskraft getrennt befragt unterschiedliche Verantwortliche für denselben Schritt nennen, wenn im Plan keine Datumsangaben stehen, oder wenn ein überfälliger Schritt nur zufällig auffällt statt von selbst.

Wo steht euer Onboarding heute?

Zwölf Fragen, drei Minuten: Der Reifegrad-Selbstcheck ordnet Struktur, Verantwortlichkeit, Sichtbarkeit und Anschluss ein und nennt die eine Dimension, an der es bei euch hakt.

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