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Onboarding

Crossboarding: warum interne Wechsel das schlechteste Onboarding bekommen

11. August 20264 Min. Lesezeit

Für Neueinstellungen haben die meisten Firmen inzwischen etwas: eine Checkliste, eine Mappe, im besten Fall einen Lernpfad. Für den internen Rollenwechsel hat fast niemand etwas, und der Satz, der das verhindert, klingt vollkommen vernünftig: „Die kennt den Laden ja." Dabei gibt es im wachsenden Mittelstand mehr Rollenwechsel als Neueinstellungen. Die Vertriebsmitarbeiterin wird Teamleiterin, der Entwickler übernimmt das Produkt, der Meister wechselt in die Arbeitsvorbereitung.

Crossboarding ist kein kleineres Onboarding

Crossboarding ist die Einarbeitung in eine neue Rolle bei gleichem Arbeitgeber. Der Reflex, es als abgespecktes Onboarding zu behandeln, geht von einer Annahme aus, die nur zur Hälfte stimmt: Die Person kennt die Firma, doch die Rolle kennt sie nicht. Was wegfällt, ist der Hausrundgang. Was bleibt, ist die eigentliche Arbeit, nämlich festzulegen, was sie in der neuen Rolle können muss und woran sie gemessen wird.

Und es kommt etwas hinzu, das eine Neueinstellung gar nicht hat: Der Wechsler lässt eine besetzte Stelle zurück. Ein Rollenwechsel ist der einzige Vorgang, bei dem Eintritt und Austritt in einer Person zusammenfallen.

Das Symptom: das schlechteste Onboarding in der Firma

Wer intern wechselt, bekommt keinen ersten Tag, keine Mappe, keinen Buddy und keine Schonfrist. Erwartet wird volle Leistung ab Tag eins, denn man kennt sich ja. In der Praxis heißt das: Die neue Führungskraft führt am ersten Tag ein Mitarbeitergespräch, für das sie nie eine Vorbereitung bekommen hat, und der Entwickler, der jetzt das Produkt verantwortet, erfährt in der dritten Woche von einem Kundenversprechen, das seit Monaten im Raum steht.

Warum das dreifach teuer wird

1. Die alte Rolle geht mit

Weil die Übergabe nie angesetzt wurde, rufen die Kollegen weiter beim Wechsler an. Er schleppt die alte Rolle monatelang mit und macht damit zwei Jobs schlecht statt einen gut. Das fällt niemandem auf, denn es sieht nach Hilfsbereitschaft aus.

2. Gescheitert wird leise

Zuzugeben, dass man nach acht Jahren in der Firma Hilfe braucht, ist schwerer als am ersten Tag. Ein externer Neuling darf fragen, ein interner blamiert sich. Genau deshalb erfährt die Führungskraft von den Schwierigkeiten erst, wenn sie sich nicht mehr verbergen lassen.

3. Der Schaden ist doppelt

Geht es schief, ist die neue Rolle unbesetzt und die alte gleich mit. Nach einem verunglückten Aufstieg wird zudem besonders oft gekündigt, denn der Weg zurück gilt als verbaut. Aus einem Wechsel, der eine Beförderung sein sollte, wird der Verlust einer erfahrenen Kraft.

Der Fix: ein Wechsel sind zwei Vorgänge

Beide brauchen dieselbe Mechanik wie eine Neueinstellung, also eine Reihenfolge, eine verantwortliche Person und einen Termin. Beide beginnen am Tag der Entscheidung und nicht in der letzten Woche vor dem Wechsel.

Die neue Rolle bekommt einen Pfad

Er enthält ausschließlich das, was tatsächlich neu ist: Führung, Werkzeuge, Beziehungen, Entscheidungsbefugnisse. Keine Firmarundgang, keine Willkommensmappe, kein Grundlagenmodul, das die Person seit Jahren kennt. Ein solcher Pfad ist kürzer als der für eine Neueinstellung, doch er ist nicht kleiner gedacht: Jeder Schritt trägt eine namentlich verantwortliche Person und ein Datum. In Learning ist das derselbe Baukasten wie beim Onboarding, nur mit einer anderen Rolle davor.

Die alte Rolle bekommt eine Übergabe

Mit Empfänger und Frist, gerechnet vom Tag des Wechsels. Steht die Nachfolge noch nicht fest, bleibt der Empfänger offen und die Führungskraft nimmt an, damit nichts liegen bleibt, nur weil eine Stelle unbesetzt ist. Entscheidend ist, wohin das Wissen wandert: nicht in einen Ordner, sondern in die Einarbeitung dessen, der nachrückt. Das ist derselbe Ablauf wie bei der Wissenssicherung beim Austritt, und er trifft hier auf einen Vorteil, den ein echter Austritt nicht bietet: Der Wechsler bleibt in der Firma und ist noch ansprechbar, wenn eine Frage auftaucht.

Was das über den Reifegrad verrät

Crossboarding ist eine gute Probe darauf, wie belastbar Einarbeitung in der Firma wirklich ist. Wer für den internen Wechsel keinen Verantwortlichen benennt, benennt ihn beim Eintritt meist auch nicht wirklich, sondern verlässt sich darauf, dass HR und Führungskraft es unter sich ausmachen. Wer keine Frist setzt, setzt sie nirgends. Und wer nicht sagen kann, was die Person in der neuen Rolle können muss, hat auch für die Neueinstellung keine Rollenbeschreibung, die diesen Namen verdient.

Wo ihr steht, lässt sich in drei Minuten beantworten: Der Reifegrad-Selbstcheck stellt zwölf Fragen zu Struktur, Verantwortlichkeit, Sichtbarkeit und Anschluss und nennt am Ende die eine Dimension, an der es bei euch hakt, samt einem konkreten nächsten Schritt.

Checkliste für den nächsten internen Wechsel

  1. Steht fest, was in der neuen Rolle tatsächlich neu ist, und ist genau das der Pfad?
  2. Gibt es für den Wechsel ein Startdatum und ein Datum, an dem die alte Rolle endet?
  3. Hat jeder Schritt eine namentlich verantwortliche Person, nicht „HR" oder „das Team"?
  4. Ist die Übergabe der alten Rolle am Tag der Entscheidung angesetzt worden?
  5. Wissen die alten Kolleginnen und Kollegen, an wen sie sich ab wann wenden?
  6. Hat die Person jemanden, den sie ohne Gesichtsverlust fragen kann?
  7. Gibt es ein Gespräch nach 30 und nach 90 Tagen, so wie bei einer Neueinstellung?
  8. Landet das übergebene Wissen in der Einarbeitung der Nachfolge statt in einer Ablage?

Fazit

Der interne Wechsel ist der häufigste Einarbeitungsfall im wachsenden Mittelstand und zugleich der einzige, für den niemand einen Prozess hat. Dabei braucht er nichts Neues, sondern dieselbe Mechanik wie das Onboarding neuer Mitarbeitender, angewendet auf zwei Vorgänge statt auf einen. Wer Crossboarding beherrscht, beherrscht beide Enden derselben Kette.

Häufige Fragen

Was ist Crossboarding?
Die Einarbeitung in eine neue Rolle beim selben Arbeitgeber, also nach Beförderung, Abteilungswechsel oder Umstrukturierung. Anders als beim Onboarding entfällt das Ankommen im Haus, dafür kommt die Übergabe der alten Rolle hinzu.
Warum reicht es nicht, den Onboarding-Pfad zu kürzen?
Weil ein Rollenwechsel zwei Vorgänge sind: ein Pfad für das, was in der neuen Rolle tatsächlich neu ist, und eine Übergabe der alten Rolle mit Empfänger und Frist. Wird der zweite Teil vergessen, schleppt der Wechsler die alte Rolle monatelang mit.
Wer verantwortet das Crossboarding?
Dieselbe Aufteilung wie beim Onboarding: HR verantwortet Rahmen und Ablauf, die aufnehmende Führungskraft die Rollenklarheit, die abgebende die Übergabe. Entscheidend ist, dass jeder Schritt eine namentliche Person und einen Termin trägt.
Wann sollte das Crossboarding beginnen?
Am Tag der Entscheidung, nicht in der letzten Woche vor dem Wechsel. Nur dann bleibt Zeit für eine geordnete Übergabe, und nur dann steht fest, wer die alten Aufgaben ab wann übernimmt.

Wo steht euer Onboarding heute?

Zwölf Fragen, drei Minuten: Der Reifegrad-Selbstcheck ordnet Struktur, Verantwortlichkeit, Sichtbarkeit und Anschluss ein und nennt die eine Dimension, an der es bei euch hakt.

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